Hier finden sich Textvariationen der Schülerinnen und Schüler, die Im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind, aber leider aufgrund der Vielzahl von Texten nicht vertont werden konnten. 


Die neuen Gedichte folgen jeweils dem Originalvers von Wilhelm Müller 


Wilhelm Müller - Einsamkeit


Wie eine trübe Wolke 

Durch heitre Lüfte geht,

Wenn in der Tanne Wipfel

Ein mattes Lüftchen weht:


So zieh' ich meine Straße

Dahin mit trägem Fuß,

Durch helles, frohes Leben

Einsam und ohne Gruß.


Ach, daß die Luft so ruhig!

Ach, daß die Welt so licht!

Als noch die Stürme tobten,

War ich so elend nicht.


 

Michelle Zahn: Variation zu Wilhelm Müllers „Einsamkeit“


Nachtes Zeit

Die deine Lüge sollte
Auf weitre Klüfte steht,
Denn aus der Kannen Gipfel
Ein sattes Düftchen geht:
 
Doch schien mir deine Maße
Wohin der Klänge Gruß,
Mit schnellem, hohem Streben
Mühsam steigt so der Ruß.
 
Nacht, lass die Gruft so furcht!
Nacht, lass dem Held die Pflicht!
Falls doch die Türme lobten,
Fahr nicht so Nebellicht.


Luis Fuhrmann: Variation zu  Wilhelm Müllers „Einsamkeit“

kein lamm schreit 

schrie deine rübe molke
darf die leiter hilfe stehen
denn kinnbär bannen im gipfel
keiner macht es, düftchen geht

froh schrie ich deine strafe
darin litt trüber gruße
darf schnell rohes geben
kein lamm gesund, frohes blut

bach, lass nie durft froh
bach, lass nie held vor gericht
falls hoch nie türme lobten
zwar ich froh gebend nicht


Wilhelm Müller - Irrlicht 

In die tiefsten Felsengründe
Lockte mich ein Irrlicht hin:
Wie ich einen Ausweg finde,
Liegt nicht schwer mir in dem Sinn.

Bin gewohnt das irre Gehen,
s' führt ja jeder Weg zum Ziel:
Unsre Freuden, unsre Leiden,
Alles eines Irrlichts Spiel!


Durch des Bergstroms trockne Rinnen
Wind' ich ruhig mich hinab -
Jeder Strom wird's Meer gewinnen,
Jedes Leiden auch ein Grab.

 

Shirin Beland: Variation zu  Wilhelm Müllers „Irrlicht“

Irr Wicht

In der Tiefe wichtels grünlich
licht und lockig, irr im Sinn
ausgegangen einst am Anfang
unbeschwert von tiefem Sinn,
 
irr geworden von den Wegen
weit hinweg von jedem Ziel:
ohne Leiden bleibt die Freude
ach mein Wicht – ´s ist alles Spiel!
 
Wie der Tropfen rinnt im Berge
irrt der Wicht ohn‘ Ach und Acht
Und es soll uns nicht gelingen
lind und luftig lassen ab.


Katharina Uharek Variation zu  Wilhelm Müllers „Irrlicht

Schwirr nicht 

Sowie schiefsten selben Sünde
Schockte dich verlor den Sinn
Vielleicht keinen Schmaus doch Linde
Wiegt Pflicht quer Vergebung hin. 

Wohin verschont das wirre Stehen
Rührt da jeder Beleg zu viel
Lebensfreuden, Lebensleiden ,
Gib mir jetzt das Eis am Stiel.

Schlurf bis endlich bin ich drinnen
Kind! Zeit wird langsam knapp
Telefon stirbt wie von Sinnen
Seelen schneiden Strauch vergab.



Wilhelm Müller - Gefrorne Tränen

Gefrorne Tropfen fallen
Von meinen Wangen ab:
Und ist's mir denn entgangen,
Daß ich geweinet hab?

Ei Thränen, meine Thränen,
Und seis ihr gar so lau,
Daß ihr erstarrt zu Eise,
Wie kühler Morgentau?

Und dringt doch aus der Quelle
Der Brust so glühend heiß,
Als wolltet ihr zerschmelzen
Des ganzen Winters Eis!


Emilia Campbell: Variation zu „Gefrorne Tränen“

Verlorne Pläne

Verlorne Koffer hallen
Die Beine sprangen Trab
Wo schwebt’s dir dein Verlangen?
Ist es der Schweine knapp?

Oh Pläne, reine Pläne
Ums Kleid ihr Gartenbau
So sie bewahrt die Meise
Als Schüler borgen blau?

Entspringt noch in der Zelle
Ein Frust der Mühen Schweiß
Der Rollen vier sie wälzen
Ein Glanz dem hinter Fleiß!


Hilal Cömezoglu: Variation zu  Wilhelm Müllers „Gefrorne Tränen“

Erfrorne Blätter

Erfrorne Blätter fallen
Schon von den Bäumen ab:
Wie ist’s mir denn entgangen,
Dass es geherbstet hat?

Oh Blätter, schöne Blätter,
Wie werdet ihr so bunt,
Dass ihr erfreut die Kinder
Und auch den Nachbarshund?

Verdeckt ihr dicht den Boden,
Wie eine Decke, rot
Und gelb und braun die Blätter,
Damit der Boden ruht.


Anabel Motzkus: Variation zu  Wilhelm Müllers „Gefrorne Tränen“

Verlornes Gähnen

Verlornes Klopfen schallen
An meinem Hirtenstab:
Versuch ich´s doch zu fangen,
Und lauf nur noch bergab?

Nein Gähnen, dieses Gähnen,
Uhrzeit ist selten blau,
Und halbverscharrt die Reise,
Morgens im Verkehr, Stau?

Unbedingt schießt aus der Zelle
Die Lust und schwanenweiß,
Wie Grollen auf den Stelzen
Des Schweinezüchters Mais!



Wilhelm Müller - Der stürmische Morgen

Wie hat der Sturm zerrissen
Des Himmels graues Kleid!
Die Wolkenfetzen flattern
Umher in mattem Streit.

Und rote Feuerflammen
Ziehn zwischen ihnen hin:
Das nenn ich einen Morgen
So recht nach meinem Sinn!

Mein Herz sieht an dem Himmel
Gemalt sein eignes Bild -
Es ist nichts als der Winter,
Der Winter kalt und wild!


Miriam Trojan: Variation zu „Der stürmische Morgen“

Der zürnische Torben

Die Rat´den Wurm gebissen
Des Lümmels blaues Leid
Die Worte hetzen klettern
Woher der glatte Neid

Um tote Neue rangeln
fliehn quetschen ihre Kinn
So kenn ich keinen Torben
Wo Blech traf seinen Zinn

Sein Schmerz zieht fangen Ärmel
Des Males feines Schild
Es ist niemals ein Blinder
In blinder Schaltung mild.


Karla Dupke: Variation zu  „Der stürmische Morgen“

Die komischen Sorgen

Da hat der Hund zerbissen
Der Sinne rauer Geiz
Die Abgewetzten rackern
Ums Heer, es ist soweit!

Dem Tode kaum entgangen
Zerrissen ihrer Sinn
„Du kannst sie nun entsorgen,
So richt sie doch nun hin“ 

Der Schmerz wird angehimmelt
Des Teufels großes Schild
Er isst nichts als die Kinder
Der Wind, der kommt und geht

 

 

Wilhelm Müller - Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Thore,
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt' in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud' und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt' auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab' ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst du deine Ruh'!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad' ins's Angesicht,
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör' ich's rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

 

Konstantin Denkinger: Variation zu „Der Lindenbaum“

Der üble Traum

Ich war gestern am Moore,
Als wärs ein übler Traum,
Ich war schnell am ermatten
Ach das war ein Grauen!

Durch viele Nebelwinde
Schritt ich nun immer fort,
Ich schaut zu jeder Seite
Nach West, Ost, Süd und Nord.

Auch sah ich keinen andern,
Der mich hier überwacht,
Doch plötzlich ein Gerumpel,
Da öffnet sich ein Schacht!

Der Schacht fing an zu fauchen
Und griff nach meinem Schuh,
Ich packte diesen schnelle
Und band ihn wieder zu.

Doch schwere Stöcker stießen,
Mein Atem war sehr dicht,
Etwas zog an meinem Zopfe
Und schlug mir ins Gesicht.

Nun hab ich eine Wunde,
Doch mache auch mehr Sport,
Denn ich zeig bald dem Schachte
Den letzten Schlussakkord!



Wilhelm Müller - Der Leiermann

Drüben hinter'm Dorfe
Steht ein Leiermann,
Und mit starren Fingern
Dreht er, was er kann.

Barfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her;
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.

Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an;
Und die Hunde brummen
Um den alten Mann.

Und er läßt es gehen
Alles, wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.

Wunderlicher Alter,
Soll ich mit dir gehn?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier drehn?


Marko Valcic: Variation zu „Der Leiermann“

Der kleine Wahn

Flügel an der Pforte
Geht ein kleiner Wahn
Ewig nassen Kindern
Mäht wer der ist Mann

Altruß auf dem Dache
Tankt er sich ganz leer
Drum sei er viel heller
Schreibt ihr nimmer mehr 

Meine Äpfel gären
Schweine sind sie nun
An dem Bunde surren
So gut wie er es kann 

Münder wie sie gähnen
Sagt der kleine Bill
Schwebt hin zu der Feier
Lebt nun wie er will

Lunten, Fichten, Schalter!
Moll wird doch da steh'n
Nimmst du mir den Flieder?
Feine Schleierfeen



Wilhelm Müller - Im Dorfe

Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten;
Es schlafen die Menschen in ihren Betten,
Träumen sich manches, was sie nicht haben,
Tun sich im Guten und Argen erlaben:
Und morgen früh ist alles zerflossen. -
Je nun, sie haben ihr Theil genossen
Und hoffen, was sie noch übrig ließen,
Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
Laßt mich nicht ruhn in der Schlummerstunde!
Ich bin zu Ende mit allen Träumen -
Was will ich unter den Schläfern säumen?


Marina Cuk: Variation zu „Im Dorfe“

"Im Hofe"

Die Wellen der Stunde, fast nicht mehr zu retten;
Im Hafen der Muscheln Inne der Bretter,
Bäumt ich im Ganzen, mich über die Raben,
Ruhen die Stuten im Wagen beladen;

Ohne Sorgen die Blüte gesprossen.
Geh Huhn, labe dem Pfeil erschossen
Der Koffer, überfüllt zum Schließen,
Dauerhaft schwindet das Wissen.

Hält im Ort, das Lachen der Stunde,
Fast bis zum Huhn, schindet die Kummerrunde!
Mir sind gebunden die Hände der Bäume,
Wie still sind die Häfen beim Räumen?



Wilhelm Müller - Muth!

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.

Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren,
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Thoren.

Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!

 

Lea Bödeker: Variation zu  Wilhelm Müllers „Mut“

"Helle Glut"

Wächst der Klee so fein gemischt,
dass grüne Wiese munter;
Denn erhellt der Sonne Licht,
Grell und gelb und bunter.

Sonne grüne Blätter jagt,
Blätter auserkoren;
Fange Licht, und was es wagt,
Schatten hat verloren.

Traurig so der graue Schein,
Sonne nur noch heller!
soll sich machen immer klein,
Doch nicht verbannt für immer.


Wilhelm Müller - Die Krähe

Eine Krähe war mit mir
Aus der Stadt gezogen,
Ist bis heute für und für
Um mein Haupt geflogen.

Krähe, wunderliches Tier,
Willst mich nicht verlassen?
Meinst wohl bald als Beute hier
Meinen Leib erfassen?

Nun, es wird nicht weit mehr gehn
An dem Wanderstabe.
Krähe, laß mich endlich sehn
Treue bis zum Grabe!


Josephine Buchwitz: Variation zu  Wilhelm Müllers „Die Krähe

sowas wie nähe

seine nähe gar bei mir
heraus mit macht gelogen
so misslich das gespür dafür
traum pein geraubt gelogen

nähe widerlich in mir
kühlst dich schlicht im hassen
weinst kalt bereutest schier
leinen zeitvertreib nur lassen

ruhn, klirrt licht schreit weh
man der andern gabe
nähe, lass mich schändlich stehn
reue misst drum habe


Freie Variationen: 


Luis Fuhrmann

Winter

 

Eisblumen an deinem Fenster

Wie die bleichen Finger des kalten Mannes

Sowie der Wind ruft herbei die Geister

So erstarrt der Sinn des Lebens

 

Bedeckt ist alles Leben

Erhellt ist doch die Nacht

Wie schön war doch der Frühling

In ihm das Leben erwacht

 

An deinem bleichen Fenster sangen

Die Lerch` und Nachtigall im Streit

Und sangen all den Kummer, all die Angst

Hinfort im Nu 


Carrie Toptan: Variation zu  Wilhelm Müllers „Winterreise“

Aus dem Leben des aufgeregten Schorfe

Da ist der Schorfe

Mit seinem Clan

Da kommt ein Flieger

Und irgendwann

 

Auf eine Art und Weise

Gab es einen Berliner

Und wurde schneller

Doch es war schwer

 

Doch er könne

Sich nicht ansehen

Doch mag er zurückfahren

Wegen dem band

 

Doch er sehe

Ganz offiziell

Viele Dichter

Und er finde es für sinnvoll

 

Mit seinem Achtzehnten

zu dichten

er zitterte in seinen Gliedern

doch fing an zu dichten



Josephine Buchwitz

 

Wir laufen, wir krauchen, wir fliegen,

wir straucheln, wir stehen

und schweben.

Wir schleichen und gehen.

 

Hin und her und

her und hin!

Dreh'n uns im Kreise

und dann noch ein Stück,

doch meistens zurück!

 

So war es, ist es und bleibt es.

 

Doch sagen Sie das mal der Zeit! Die geht nie zurück.

Das einzige was nicht kontrollierbar ist, obwohl sie stets von uns kontrolliert wird.

Manchmal scheint sie anzuhalten, für einen kurzen Moment, doch dieser scheint eine Ewigkeit zu überdauern.

Dann verrinnt sie wieder so schnell, wie Sand durch die Finger und man blickt in den Spiegel, sieht sich an und dort steht eine fremde Person.

Wo ist sie nur hin, die Zeit?



Gedicht von Miriam Trojan

An deinem bleichen Fenster sangen

die Lerch und Nachtigall im Streit,

und so, wie sie um Worte rangen

machte Unmut bei dir sich breit.

 

Nun dachtest du ganz melancholisch

an den getr´gen Abend, oh wie wahr

so laut und diabolisch

und so traurig, wie er war.

 

Denk an längst vergessene Tage

wie glücklich ein Kind doch ist

Die Jugend, welch ne Plage

du doch in der Liebe bist.

 

Du denkst, ach bin ich denn verrückt

ich geh und stelle alles wieder gerade

Da meint die Lerch noch voll in Rage:

„Sagen sie das mal der Zeit! Die geht nie zurück!“